Anwendung der Kneipp-Wassertherapie

Nach bestimmten ansteigenden Reizschemata werden genau dosierte Wasserreize verabreicht, wobei selbst bei kaltem Wasser nie die Kälteentwicklung das Ziel der Bemühungen ist, sondern immer das Erreichen körpereigener Wärme bzw. Regulierungen im Wärmehaushalt. Dabei gilt der Grundsatz, daß zu kleine Reize den Körper eher schwächen, ebenso wie auch übergroße Reize dem Körper schaden. Dagegen fördern und kräftigen gut dosierte mittlere Reize. Warmes Wasser hat primär eine beruhigende, vagotonisierende Wirkung, jedoch kann das Gegenteil in Form von Nervosität oder Schlaflosigkeit eintreten, wenn die Temperatur zu hoch gewählt wird oder die Badedauer zu lange ist. Folgende Grundprinzipien sind ferner zu beachten:

  1. Je weiter Temperaturreize von der Körpertemperatur entfernt sind und je größer die berührte Hautfläche und je länger die Anwendung, desto stärker ist der zu verarbeitende Reiz und damit die Gefahr, die körpereigenen Regulationsvorgänge zu überfordern.
  2. Jeder Reiz darf nur am warmen Körper und auf warmer Haut verabreicht werden.
  3. Nach jeder Anwendung ist die Wiedererwärmung wichtig. Diese sollte nach kleinen Anwendungsreizen aktiv durch Bewegung stattfinden, während nach stärkeren Anwendungen passive Erwärmung durch Bettruhe erreicht werden sollte.
  4. Wegen der wechselnden Körpertemperatur spielt die gewählte Tageszeit eine wichtige Rolle. Dabei sollten z.B. Ganzwaschungen und Wickel bevorzugt morgens, Güsse und Bäder vormittags und Teilbäder am besten am frühen Nachmittag durchgeführt werden.
  5. Etwa 30 Minuten vor und 1 Stunde nach Mahlzeiten sollten keine Anwendungen durchgeführt werden. Auch körperliche Anstrengungen nach Anwendungen sind unbedingt zu vermeiden.
  6. Akute Krankheitsprozesse sollten mit Kältereizen, chronische Krankheitsbilder eher mit Wärmereizen oder schonenden Wechselreizen behandelt werden.
  7. Mit der mildesten Anwendung, die gerade noch zu einer gewünschten Reaktion führt, sollte begonnen werden. Das vordergründige Ziel ist zunächst eine milde Rötung im Sinne einer Mehrdurchblutung, während einer längerdauernde Blässe oder gar eine bläuliche Marmorierung unbedingt zu vermeiden ist.

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© 1999 Dr. William L. Mayo Association