Tai Chi Chuan

„Es war einmal vor langer Zeit, da saß ein Mensch auf dem Gipfel eines Berges, irgendwo, in einem beliebigen Teil der Welt, und beobachtete still die Natur. Er fühlte sich so beseelt von den natürlichen Bewegungen der Welt um sich herum, daß er spontan zu tanzen begann, indem er all jene Elemente der Natur, die er leicht erfassen konnte, in ihren Bewegungen nachahmte. Er öffnete sich vollkommen den Kräften der Natur – er wurde eins mit ihnen: Himmel, Erde, Feuer, Wasser, Bäume, Blumen, Wind, Vögel, Fische und Schmetterlinge. Sein Tanz beglückte ihn so sehr, daß sein ganzes Wesen sich auf das vollkommenste verwandelte. Erfüllt von einem überströmenden Glücksgefühl gab er jeder Bewegungsfolge einen poetischen Namen: der weiße Kranich schlägt mit seinen glänzenden Flügeln, hin- und herwogende Wolkenhände, goldene Vögel balancieren auf einem Bein, umarme den Tiger und kehre zum Berg zurück. So wurde dieser Mensch zum Schöpfer des Tai-Chi-Tanzes.
Dieser Moment der Schöpfung kann vor vielen tausend Jahren stattgefunden haben, oder gerade eben, jetzt in diesem Moment, irgendwo überall auf der Welt.“

Beim Tai Chi Chuan oder kurz Tai Chi handelt es sich um eine Bewegungskunst, die ihren Ursprung in China hat und dort noch heute jeden Morgen in aller Frühe von einem Großteil der Einwohner praktiziert wird, um den Körper in Ruhe auf den Tag einzustimmen.
Die in China heute noch praktizierte Form des sogenannten Peking-Tai-Chi hat 24 Hauptsequenzen von quasi in Zeitlupe durchzuführenden Kampfkunstbewegungen, die sich auf einen imaginären Partner beziehen. Diese Übungen sind auch als Schattenboxen bekannt.
Durch sie werden Aufmerksamkeit, Wachheit und Selbstwahrnehmungsfähigkeit genauso geübt wie rein körperliche heilgymnastikähnliche Bewegungsabläufe. Daneben kommt es zu einer Beruhigung verschiedener Körperfunktionskreisläufe, zu Muskel- und Atemwegsentspannungen, zur Normalisierung des Blutdrucks sowie zu psychischer Harmonie und Stärke.

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© 1999 Dr. William L. Mayo Association